La Palma WeinClub
La Palma WeinClub
Jürgen‘s Weinblog
im April 2016 Nachlese zu
„Bodegas Perdomo - Piedra Jurada"

„Wir machen Weine für Menschen, die eigentlich gar keinen Wein mögen…“

Am 2. April präsentierte – wie schon vorsichtig in der Einladung formuliert – der La Palma WeinClub erstmals die „Generation Facebook“ unter den palmerischen Winzern. Mit Patricia und Lucia Perdomo stellte die nächste, junge Generation der gleichnamigen Bodega ihre Weine zwar nach wie vor unter dem althergebrachten Markennamen „Piedra Jurada“ vor, aber das neue Design der Etiketten mit Farbcodierungssystem für die unterschiedlichen Weinsorten zeigt schon, an wen Patricia und Lucia sich mit ihren Weinen wenden möchten – an neue junge Kunden, denen sie mit leichten, einfach zu trinkenden Weinen den Zugang zum (palmerischen) Wein erleichtern möchten. Wein auf dem Weg zum Lifestyle-Getränk – und das aus La Palma?

Auch wenn die Piedra Jurada Weine, wie der sehr gute Albillo seco, alle ohne jeden Zweifel blitzsuper und perfekt ausgebaut waren, so stellt sich doch – gerade für den La Palma WeinClub – die Frage, ob die nächste Generation von palmerischen Winzern ihre Zukunft in der behutsamen Weiterentwicklung der palmerischen Weine sieht, oder doch eher in einem Bruch mit der Tradition. So oder so – ein betont fruchtiger Weißwein mit deutlich mehr Zuckergehalt als eine Coca Cola scheint weder auf dem heimischen Markt noch auf dem „Weltmarkt“ allzu großes Marktpotential zu besitzen.

Während inzwischen fast alle palmerischen Bodegas dank kälteoptimierter Kellertechnik insbesondere tolle Weißweine mit ausgeprägten Primäraromen im Sortiment haben, tun sie sich bei den Rotweinen noch schwer. Umso erfreulicher, das Patricia und Lucia einen Rotwein präsentieren konnten, der nicht zuletzt aufgrund einer Vielzahl einheimischer Trauben, aber geschmacklich geführt von der palmerischen „Ausnahmetraube“ Vijariego, ein wahres Aromenfeuerwerk im Gaumen entfachte. Glückwunsch zu diesem Rotwein mit dem leider sehr schlichten und wenig animierenden Namen „Tinto Joven“ – hier wäre eine Weiterentwicklung „auf dem Etikett“ sicherlich angebrachter gewesen.

Meine persönliche Meinung: In dieser Richtung, also mit der Wieder-entdeckung der bei dem Streben nach Masse fast vergessenen alten (autochthonen) Sorten liegt meines Erachtens das Potenzial und Zukunft für die Rotweine La Palmas. Erinnern möchte ich in diesem Zusammenhang gern an den aus der „noch“ seltenen einheimischen roten Traube Baboso gekelterten „Essensia de el Nispero“ - den die Gäste des La Palma WeinClubs zum besten Wein aller Degustationen des Jahres 2015 gewählt haben. Und mit Spannung erwarten wir nun den ersten reinsortigen Baboso opder Vijariego von Vega Norte. Mit der X-Serie, entstanden aus einem Jubiläumswein der Bodega, hat Vega Norte inzwischen zwei exzellente Rotweine (Listan Prieto und den Ensamble aus Prieto und Vijariego) im Sortiment. Wie die Übersicht der zugelassenen palmerischen Trauben auf der Abbildung zeigt, gibt es ein großes noch nicht entdecktes Traubenpotenzial für eigenständige palmerische rote und weiße Weine.
Wie so oft – es liegt auch an uns und unserer „Nachfrage“ nach solchen Weinen, damit die Winzer der Insel sich auf ihre vielfältigen Rebsorten besinnen. Der La Palma WeinClub wird weiterhin die Entwicklung der palmerischen Weinkultur mit seinen Degustationen begleiten – und Ihnen hoffentlich die eine oder andere „Einkaufshilfe“ bieten können. Freuen Sie sich mit dem Team des La Palma WeinClubs und mir auf die nächste Verkostung – palmerische Newcomer stehen auf dem Programm am 28. Mai 2016.

Herzlichst

Ihr Jürgen Michalzik

PS: Auch der bei dieser Degustation zusätzlich vorgestellte Marba Tinto Barrica von der Insel Tenerife – unter fast 200 kanarischen Weinen 2016 als der Beste durch das kanarische Lebensmittel-Qualitätsinstitut ausgezeichnet – versucht nicht, einen internationalen Wein-Stil zu kopieren. Eine gute Wahl für die Weinkultur der Kanarischen Inseln.