La Palma WeinClub
La Palma WeinClub

Jürgen‘s Weinblog im März 2016
Nachlese zu „Bodegas Llanos Negros"


Der Prophet gilt nichts im eigenen Land – und schon gar nichts auf La Palma?

Am 27. Februar startete der La Palma WeinClub in sein zweites Jahr – mit einem sen-sationellen Highlight, mit Weinen von La Palma, die keiner der anwesenden Gäste jemals vorher getrunken hatte, sogar noch nicht einmal kannte. Die Bodegas Llanovid – besser bekannt unter dem Markennamen ihrer Weine „Teneguia“ hatte sich bereit erklärt, ihre zweite Marke „Llanos Negros“ – die nur dem Export ins übrige Europa vorbehalten ist – im La Palma WeinClub erst- und einmalig vorzustellen. Der Önologe und Kopf hinter diesem ehrgeizigen Projekt, Carlos Lozana Perez, war selber in den La Palma WeinClub in Tazacorte gekommen, um „seine“ ganz besonderen Weine aus dem Süden zu präsentieren – obwohl er an diesem Tag seinen 50. Geburtstag feierte.

Die sechs Llanos Negros Weine sind – nach den Kriterien der spanischen Weingüteklassen – eigentlich in der allerhöchsten Qualitätsstufe angesiedelt – nämlich als Lagenweine „Vino de Pago“. Sie stammen alle von einer nur 11 Hektar kleinen Parzelle (Llanos Negros) ganz im Süden der Insel.

Aber diese besondere Qualität und die aufwändige Kellerarbeit sollen heute nicht das Thema meiner abschließenden Betrachtung zu einer einzigartigen Degustation sein – vielmehr möchte ich „verstehen“ warum die palmerischen Bodegas ihre wirklichen Schätze vor ihren Landsleuten und vor ihren Gästen (den Touristen) regelrecht verstecken. Eigentlich unvorstellbar – der am besten prämierte Rotwein aus allen Verkostungen des La Palma WeinClubs in 2015, der 2011er Baboso von El Nispero, oder die exzellenten X-Weine von Vega Norte und jetzt auch noch die außergewöhnlichen Llanos Negros Weine – sie sind alle für uns nicht im freien Verkauf auf der Insel erhältlich.

Auf meine Frage nach Gründen erfahre ich immer wieder, dass man das Gefühl hat, diese Weine seien zu teuer und zu komplex (kompliziert?), dass man sich seitens der Bodegas nur traue, diese besonderen Weine in einigen wenigen ausgewählten Restaurants auszuschenken (wo man den Einkaufspreis als Gast ja niemals erfährt) – es scheint also die Angst zu sein, dass man mit solchen Weinen das „unterstellt akzeptierte Preis-Niveau“ der Insel La Palma verlässt…

Haben denn diese Bodegas nicht mitbekommen, dass es immer mehr Kunden und Gäste auf La Palma gibt, die nicht nur die einzigartige Natur-Landschaft schätzen und genießen wollen, sondern sich auch an den besonderen, La Palma spezifischen kulinarischen Genüssen dieser Insel – also auch ihren besonderen Weinen – erfreuen wollen. Und auch bereit sind, für eine entsprechende Qualität etwas mehr zu bezahlen*. Weine wie der 2011er Baboso, die X-Weine von Vega Norte und die Llanos Negros Weine von Llanovid sind ja keine schamlos überteuerten Luxus-Produkte, sondern handwerklich auf höchstem Niveau und mit größter Leidenschaft hergestellte Weine. Die übrigens keinen Vergleich mit den vielgerühmten internationalen Weinen zu scheuen brauchen – und dass sie nicht genau so schmecken wie die „Weltweine“ aus Merlot- und Tempranillo-Trauben verdanken wir einer klugen Regelung durch das „Consejo Regulador de la Denominación de Origen de Vinos“– sie lässt unter der Bezeichnung „Origen de La Palma“ nur autochthone (einheimsche) Trauben zu – und das ist auch gut so, und muss unbedingt so bleiben!

Mit herzlichen Grüßen – wir sehen uns wieder am 2 April im La Palma WeinClub – mit Piedra Jurada Weinen

Ihr Jürgen Michalzik / La Palma WeinClub

*Zum besseren Verständnis: Eine Flasche Los Tabaqueros 2006 von Llanos Negros kostet ca. 13 Euro.