La Palma WeinClub
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Jürgen‘s Weinblog im April 2015 Nachlese zu „Best of Albillo“

Palmerische Weine sind immer noch ein Naturprodukt!

Am 27. März veranstaltete der La Palma WeinClub in Tazacorte eine besondere Ver-kostung: Die Gäste waren aufgerufen, in einer Blindverkostung den besten Albillo Wein La Palmas zu küren. Schon die Vorauswahl bot eine Überraschung: Immerhin gibt es auf dieser kleinen Insel momentan 13 Albillos unterschiedlicher Jahrgänge und Qualitäten zu kaufen – aber bekanntlich kann niemand ohne ernsthafte gesundheitliche Probleme 13 Weißweine an einem Abend testen – also traf ich zu-sammen mit dem Team vom La Palma WeinClub nach besten Wissen und Geschmack eine Vorauswahl von immerhin noch 7 Albillos.

Und genau da fängt meine Geschichte über das Naturprodukt Wein auf La Palma an. Mit den palmerischen Weinen vertraute Genießer wissen die Albillo-Traube und den daraus gekelterten Wein sehr zu schätzen, nicht ohne Grund wird Albillo auf La Palma als „die Königin“ der weißen Weine bezeichnet, wie der Riesling in Deutschland und fast überall auf der Welt. Nur dass der Albillo ein nicht ganz so ein gelungenes Spiel zwischen Säure und eleganter Fruchtigkeit aufweist wie der Riesling. Apropos Naturprodukt – im Erntejahr 2014 war hier auf La Palma alles ein bisschen anders, auch für die Albillo Traube, die bekanntlich eher auf den humusreichen Böden im feuchteren Norden der Insel gedeiht. Schon bei der Vorauswahl war schnell klar – der Albillo und seine Weine werden ihrem sehr guten Ruf im Jahr 2014 nicht so ganz gerecht, es fehlte im Norden einfach an Sonne, um die Trauben in Höhenlagen zwischen 800 – 1400 Meter richtig ausreifen zu lassen.
Nun möchte ein ambitionierter WeinClub seinen Gästen nicht einige mehr oder weniger leicht „unreife oder dezent krautig-grasig“ schmeckende Albillo-Weißweine zur Beurteilung kredenzen – die letztendlich an den guten Ruf und exzellenten Geschmack der letzten Jahre nicht wirklich heranreichen können.

Was tun: Letztendlich habe ich mich „als Vorkoster“ für die Albillo-Weinauswahl im La Palma WeinClub entschieden, in dieser Blindverkostung nicht nur 2014er Albillos, sondern die gesamte Vielfalt und das handwerkliche Können der palmerischen Winzer rund um die Traube Albillo zu präsentieren. So fanden sich unter den 7 zur Verkostung anstehenden Albillos nicht nur ein von Vega Norte im Barrique ausgebauter Albillo Criollo von 2013 und ein „alter“ Albillo von El Nispero aus dem Jahre 2011 (der im Gegensatz zu alten Rieslingen keinerlei Firnis-Note aufwies) – sondern auch ein halbsüßer Albillo von Piedra Jurada aus der Ernte 2014 (wohl eine gute Idee von der jungen Winzerin aus Las Tricias, die leicht unreifen Albillo Trauben nicht ganz durchgären zu lassen und so ein wenig – leider in diesem Fall etwas zu viel – Süße in die Flasche zu retten). Schade, dass die beiden 2014er Albillos von dem jungen Wilden aus dem Norden (Juan Jesus von Bodega Tagalguen) und der jungen Wilden aus dem Süden (Victoria von Bodega Matias i Torres) noch nicht fertig waren, wahrscheinlich liegen diese beiden Weißweine noch – durchaus in palmerischer Tradition – im Holzfaß … wir dürfen gespannt sein bei einer der nächsten Verkostungen.

Letztendlich konnten aber die „Exoten“ unter den Albillos die beiden Platzhirsche nicht vom Podest stoßen, die trotz widriger Witterungsbedingungen – wenn auch nicht 100% perfekte – so doch gelungene Albillos produzieren konnten: Der 2014 Albillo von El Nispero landete ganz knapp vor dem 2014 Albillo Criollo von Vega Norte auf dem ersten Platz. Überraschend umso mehr, als mit Vega Norte eine Bodega mit einer Volumen-Strategie und mit El Nispero eine Bodega mit einer klaren Präferenz-Strategie in 2014 unangefochten die beiden besten Albillos von La Palma produzieren. Aber von der Natur im positiven wie negativen Sinne sind gottseidank noch immer alle palmerischen Winzer abhängig – im Gegensatz zum Beispiel zu den Retorten-Weinen ihrer kalifornischen Kollegen – auch wenn die Königin der weißen Trauben auf La Palma 2014 nicht ganz so elegant und überlegen wie in Jahren mit besseren Witterungsbedingungen daherkam. Freuen wir uns lieber auf ein gutes Weinjahr 2015 - und weiterhin auf das unverfälschte Naturprodukt „palmerischer Wein“.

Mit herzlichen Grüßen – wir sehen uns im LaPalma WeinClub

Ihr Jürgen Michalzik
La Palma WeinClub